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Wie entwickelt sich der Anbau von weißen Lupinen in Deutschland?

In Deutschland werden auf rund 223.000 Hektar Hülsenfrüchte angebaut, davon machen Körnererbsen mit rund 37 % den größten Anteil aus, gefolgt von Ackerbohnen mit 26 % und Soja mit rund 15 %. Süßlupinen belegen mit knappen 10 % Anbaufläche zwar einen der hinteren Plätze, dennoch darf diese Kultur nicht unterschätzt werden. Nach jahrelanger Züchtung und Forschung, stehen stabile Sorten auf dem Markt, die einiges zu bieten haben. Wenn der Standort passt und das Wetter einigermaßen mitspielt, können gute Erträge erzielt werden. Wir geben Ihnen einen Einblick in die spannende Welt der weißen Lupine – über die Entwicklung, hin zum Anbau und pflanzenbaulichen Aspekten.

Warum spricht man von Süßlupinen?

Die Wildformen der gelben, schmalblättrigen (oft auch „blauen Lupine“) und weißen Lupinen stammen aus dem Mittelmeergebiet und weisen relativ hohe Gehalte an Alkaloiden (= Bitterstoffen) auf. Deshalb konnten sie vorerst für die tierische oder menschliche Ernährung nicht ohne Weiteres genutzt werden und dienten im 19. Jahrhundert primär als Gründünger.

Erste bitterstoffarme Lupinen wurden 1927 bis 1931 von Reinhold von Sengbusch entdeckt, der damit den Grundstein der voll nutzbaren Kulturpflanzen legte. Von Süßlupinen spricht man ab einem Alkaloidgehalt von weniger als 0,05 % im Korn, wobei ernährungsphysiologisch sogar ein Gehalt von unter 0,02 % gefordert ist. Bitterstoffarme Sorten existieren inzwischen von allen drei Lupinenarten und werden durch die Züchtung weiterhin vorangetrieben. Durch den dominant vererbten Alkaloidgehalt und teilweise Fremdbestäubung, kann es vereinzelt durch Einkreuzungen, Mutationen und Rekombinationen zur Entwicklung von bitterstoffreichen Pflanzen kommen, weshalb die Verwendung von kontrolliertem Saatgut eine dringende Voraussetzung für die sichere Verwertung ist.

Hallo Anthraknose – die 90iger Jahre

Nicht nur der Bitterstoffgehalt stellt eine Herausforderung für die Züchtung dar, sondern auch die Resistenz auf Anthraknose – die durch einen Pilz verursachte Brennfleckenkrankheit. Sie ist durch Samen übertragbar und führt vor allem bei gelben und weißen Lupinen zu schweren Ertragsverlusten bis Totalausfällen. Während diese zunächst vorherrschend waren, wurde der Lupinenanbau Mitte der neunziger Jahre dadurch nahezu zum Erliegen gebracht. 1997 konnten Anthraknose-tolerante schmalblättrige Lupinen eingeführt werden, welche allgemein weniger anfällig für die Krankheit sind. Der Anbau erfuhr dadurch einen leichten Aufschwung, jedoch sorgte die schlechte Wirtschaftlichkeit gegenüber anderen Marktfrüchten für einen eher schwachen Trend in den 2000ern. Auch die Eiweißpflanzenprämie bis 2008 und weitere Förderprogramme der Bundesländer konnten diesen Trend nicht sonderlich beeinflussen.

Es geht aufwärts

Das eingeführte Greening-Programm sowie andere Agrarumweltmaßnahmen und Förderprogramme sorgten ab 2014 für einen Aufschwung der Körnerleguminosenin Deutschland. Jedoch stagniert der Lupinenanbau nach anfänglichem Wachstum und flacht bis 2019 sogar wieder ab. Außerdem ist der Anbau von Lupinen im Gegensatz zu anderen großkörnigen Leguminosen regional konzentriert: Brandenburg belegt im Jahr 2019 mit 8.600 Hektar Platz 1, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern mit 5.300 Hektar und Sachsen-Anhalt mit 3.400 Hektar. In diesen Bundesländern findet man einen hohen Anteil an sandigen Böden mit niedrigen pH-Werten, was hauptsächlich der schmalblättrigen Lupine sehr entgegen kommt. 

Der darauffolgende sprunghafte Anstieg lässt sich mit der Einführung von zwei neuen Sorten der weißen Lupine erklären: „Frieda“ und „Celina“ sind Anthraknose-tolerant, bitterstoffarm und liefern hohe Eiweißwerte. In Nordrhein-Westfalen zeigt sich dies an einer konstanten Anbaufläche in den Jahren 2016 bis 2019 von ca. 200 Hektar (hauptsächlich schmalblättrige Lupine) und dem anschließenden Sprung auf 600 Hektar Lupinen im Jahr 2020.

Hohe Nachfrage – knappes Saatgut

Die zwei neuen Sorten erzielen neben ein paar weiteren erste, vielversprechende Ergebnisse in der Praxis, sodass die Nachfrage sofort groß ist. Trotz einem Anstieg der Vermehrungsflächen ist das Saatgut von weißen Lupinen knapp. Aus einem Saatkorn entstehen nur 25 neue, sodass viel Fläche benötigt wird. Der Nachbau ist gesetzlich verboten und ergibt aufgrund der hohen Anforderungen auch pflanzenbaulich keinen Sinn.

Deshalb müssen viele Landwirte auf die schmalblättrige Lupine umschwenken, welche eine geringere Ertragserwartung, niedrigere Proteingehalte und eine schlechtere Unkrautunterdrückung aufweist. Mit Blick auf die deutschen Vermehrungsflächen, ist sie jedoch weiterhin die bedeutendste Lupinenart. Dies kann sich jedoch aufgrund der neuen Sorten und der hohen Nachfrage in den nächsten Jahren ändern.

Eine vielseitige Kultur mit Potenzial

Die großen Vorteile von Körnerleguminosensind die stickstoffbindenden Knöllchenbakterien, ein hoher Vorfruchtwert sowie die Verbesserung der Bodenstruktur. Die Weiße Lupine verträgt außerdem im Frühjahr Kälte, ist unempfindlich gegenüber Sommertrockenheit und liefert hohe Eiweißgehalte und -erträge. Durch ihre Wurzeln kann sie Bodenverdichtungen brechen, sodass eine bessere Struktur erreicht wird und Nährstoffe wie Phosphat und Kalium gut angeeignet werden können. Durch ihre lange Blütezeit von Mai bis August blüht die weiße Lupine, wenn auf heimischen Äckern nicht mehr viel blüht und stellt somit wertvolle Nahrung für Insekten bereit. 

Die Ernte erfolgt durch stabile Pflanzen mit einem Hülsenansatz von 10 cm über dem Boden problemlos, außerdem sorgt eine gute Platzfestigkeit der Hülsen für wenig Ernteverluste.

Neben pflanzenbaulichen Vorteilen bietet die weiße Lupine auch eine sehr hohe Vielfalt in ihrer Verwertung. Dank ihres hohen Futterwerts lässt sie sich hervorragend in Mischrationen von Nutztieren wie Rind, Schwein und Geflügel, aber auch in Aquakulturen einsetzen.  Genaue Anteile werden derzeit in Fütterungsversuchen ermittelt; man geht bisher bei Geflügel und Schweinen von 15-20 % aus.

In der menschlichen Ernährung werden weiße Lupinen bereits in Fitnessprodukten, proteinreichen Brotaufstrichen, Fleischersatzprodukten, veganem Eis und vielem mehr verwendet. Hierbei spielt der Alkaloidgehalt von unter 0,02 % sowie die gleichmäßig hohe Qualität eine wichtige Rolle. Der Markt für Speiseprodukte befindet sich noch im Aufbau, sollte aber in naher Zukunft an Bedeutung gewinnen.

So gelingt der Anbau

Folgende Stichpunkte verraten einige Tipps, sodass Ihr Anbau von weißen Lupinen zum Erfolg wird:

  • Impfung des Saatguts mit Rhizobienpräparat
  • Böden sauer bis leicht alkalisch (pH 5.5 bis 7.3)
  • Saat bei Bodentemperatur ab 4 Grad (Anfang März bis Mitte April)
  • Saatstärke: 45 bis 60 Körner/m²
  • Ablagetiefe nicht tiefer als 4 cm durch epigäische Keimung
  • Reihenabstand 12 cm (45 cm auch möglich)
  • Deckung des Bedarfs an Kalium, Magnesium und vor allem Schwefel (optimal OmniCult Schwefel-Linsen) für die Effektivität der Knöllchenbakterien
  • Borbedarf berücksichtigen
  • Unkrautregulierung ist sehr wichtig (häufiges Striegeln bei Bioanbau)
  • Bei hohem Anthraknoserisiko kann eine geringere Saatstärke sinnvoll sein. Achtung Unkraut!
  • Ernte mind. 2 Wochen vor der Sojabohne, bei 12 – 16 % Feuchtigkeit (wenn Körner in den Hülsen rascheln)
  • Anbaupausen von 6 – 7 Jahren beachten

 

Allgemein ist die weiße Lupine eine dankbare Pflanze im Anbau und kann, dank vielfältiger Einsatz- und Verwertungsmöglichkeiten, einen interessanten Nebenverdienst für Ihren Betrieb darstellen. Wenn Sie Interesse am Anbau haben, bestellen Sie das Z-Saatgut bei Ihrem Händler rechtzeitig vor und informieren Sie sich über deutschlandweite Förderprogramme.

Gerne stehen wir Ihnen bei dem Anbau von Lupinen mit unseren Spezialisten aus der Fachberatung zur Seite und beraten Sie umfassend, welche OmniCult-Produkte hier für einen optimalen Anbau zum Einsatz kommen. Senden Sie hierzu einfach eine Anfrage über unser Kontakformular oder rufen Sie uns an - Wir freuen uns auf Ihren Kontakt. 

Weitere interessante Informationen zu diesem Thema finden Sie auch bei der Gesellschaft zur Förderung der Lupine e.V unter www.lupinenverein.de.

Foto: pixabay (StockSnap)